Die Digitalisierung hat das Gastgewerbe grundlegend verändert. Online-Reservierungen, cloudbasierte Managementsysteme, mobile Check-in-Lösungen, digitale Kassensysteme und vernetzte Buchungsplattformen gehören heute zum Standard. Gleichzeitig verarbeiten Betriebe täglich große Mengen sensibler personenbezogener Daten, von Kontakt- und Zahlungsinformationen bis hin zu Ausweisdokumenten. Diese Entwicklung bringt Effizienz und Komfort, macht die Branche jedoch zunehmend attraktiv für Cyberkriminelle. Die vergangenen Jahre zeigen deutlich, dass Cyberangriffe im Gastgewerbe kein Ausnahmefall mehr sind, sondern ein reales Geschäftsrisiko darstellen.
Aktuelle Fälle zeigen die Dynamik der Bedrohung
Im Jahr 2023 wurde eine große Hotelkette Ziel einer Ransomware-Attacke. Angreifer verschafften sich Zugriff auf interne Systeme und exfiltrierten umfangreiche Datenbestände. Berichten zufolge waren unter anderem Adressdaten sowie eine begrenzte Anzahl von Kreditkarteninformationen betroffen. Teile der Daten tauchten später im Darknet auf. Auch wenn der operative Betrieb weiterlief, verdeutlichte der Vorfall die erheblichen Reputations- und Vertrauensrisiken, die mit solchen Angriffen einhergehen.
Wie existenzbedrohend Cyberangriffe für einzelne Betriebe sein können, zeigte 2025 der Fall eines Vier-Sterne-Hotels in Süddeutschland. Nach einem schwerwiegenden Cyberangriff geriet der Betreiber in wirtschaftliche Schwierigkeiten und musste Insolvenz anmelden. Auch wenn nicht alle technischen Details öffentlich wurden, machte der Fall deutlich, dass insbesondere kleine und mittelständische Betriebe finanziell kaum in der Lage sind, längere IT-Ausfälle oder hohe Schadenssummen zu kompensieren.
Ebenfalls 2025 wurde eine mittelständische Hotelgruppe Ziel einer Ransomware-Attacke durch eine bekannte Cybercrime-Gruppierung. Interne Systeme waren zeitweise gestört, was die Abläufe in mehreren Häusern beeinträchtigte. Der Vorfall unterstreicht, dass nicht nur internationale Großkonzerne, sondern auch mittelständische Hotelketten verstärkt ins Visier geraten.
Im Frühjahr 2023 sorgte ein Angriff auf einen großen Hotel- und Freizeitkomplex mit angeschlossenen Casino-Betrieben für Aufsehen. Buchungssysteme, digitale Schlüsselkarten und interne Anwendungen waren betroffen, sodass teilweise auf manuelle Prozesse umgestellt werden musste. Der finanzielle Schaden ging in die Millionenhöhe. Der Fall gilt als eines der prominentesten Beispiele dafür, wie verwundbar stark digitalisierte Unternehmen im Gastgewerbe sind.
Auch Anfang 2026 wurde ein aktueller Cyberangriff öffentlich, als eine soziale Einrichtung mit integrierten Hotelbetrieben in Nordrhein-Westfalen von Unbekannten angegriffen wurde. In der Nacht vom 15. Februar 2026 drangen Hacker in die IT-Infrastruktur ein, was zu erheblichen Systemausfällen und eingeschränkter Erreichbarkeit führte. Die betroffenen Teams reagierten unmittelbar mit der Einrichtung eines Krisenstabs und unterstützender Kooperation externer IT-Sicherheitsberater, während der laufende Betrieb in vielen Bereichen manuell weitergeführt werden musste. Die Versorgung der Klienten und Gäste blieb laut aktueller Lage gewährleistet, dennoch verdeutlicht der Vorfall, wie plötzliche Angriffe den Betrieb spürbar beeinträchtigen können und wie wichtig eine interne Vorbereitung auf solche Ereignisse ist.
Ransomware und Datenlecks treffen auch international
Ende 2025 wurde bekannt, dass bei mehreren Hotels in Italien über Schwachstellen in Buchungssystemen personenbezogene Daten von Gästeausweisen und Reservierungen offengelegt und im Darknet veröffentlicht wurden. Betroffen waren verschiedene Unterkunftsbetriebe in Städten wie Venedig oder auf Mallorca, was verdeutlicht, wie Drittsysteme und Schnittstellen zum Angriffsziel werden können.
Bei einer Hotel & Casino-Kette in den USA führte ein Cyberangriff im Frühjahr 2024 zu massiven IT-Ausfällen, darunter Störungen in Reservierungs- und Zutrittsystemen, sodass Gäste ausgesperrt wurden und Mitarbeitende zeitweise auf analoge Prozesse umstellen mussten. Dies zeigt, wie breit die Auswirkungen von Cyberangriffen im Gastgewerbe sein können – von Datenverlust bis zu operativen Störungen.
Angriffe über Buchungsplattformen und Extranets
Ein besonders gefährlicher Trend ist die Nutzung von Buchungsplattformen und OTA-Extranets als Einfallstor. 2026 kam es europaweit zu einer Phishing-Welle, bei der Gäste und Hotels täuschend echte Nachrichten erhielten, die angeblich von bekannten Buchungssystemen stammten. Ziel war es, Zugangsdaten oder Zahlungsinformationen zu erbeuten.
Auch über offizielle Nachrichtenkanäle von Buchungsplattformen wurden manipulierte Nachrichten versendet, die Hotels zur Preisgabe sensibler Daten oder zur Installation von Schadsoftware verleiten sollten. Selbst gut abgesicherte Betriebe können dadurch indirekt betroffen sein.
Wenn Softwareanbieter zum Risiko werden
Neben Hotels geraten zunehmend auch Softwarehersteller und Plattformanbieter ins Visier. 2026 wurde bei einer Buchungsplattform für das Gastgewerbe ein Cyber-Sicherheitsvorfall bekannt, bei dem Unbefugte Zugriff auf Kundendatenbanken erhielten. In der Folge wurden gezielte Phishing-Angriffe gestartet, die reale Buchungsdetails nutzten und dadurch besonders glaubwürdig wirkten.
Bereits 2025 wurde eine Sicherheitslücke in einer verbreiteten Hotelmanagement-Software entdeckt, über die sensible Gästedaten potenziell eingesehen werden konnten. Diese Fälle verdeutlichen, wie abhängig Hotels von der Sicherheit externer Dienstleister sind und wie wichtig eine ganzheitliche Betrachtung der digitalen Wertschöpfungskette ist.
Was Hotels jetzt konkret tun sollten
Cyberangriffe betreffen kleine Betriebe ebenso wie internationale Konzerne. Ransomware, Datenlecks und Phishing treten parallel auf. Betriebsunterbrechungen sind eine reale wirtschaftliche Gefahr. Datensicherheit ist daher kein optionales IT-Thema mehr, sondern ein zentraler Bestandteil unternehmerischer Resilienz.
Technische Mindeststandards sollten konsequent umgesetzt werden. Dazu gehören automatische Updates für Kassensysteme und Hotelsoftware, die Einführung einer Zwei-Faktor-Authentifizierung für zentrale Systeme, die strikte Trennung von Gäste-WLAN und internem Netzwerk sowie regelmäßige, automatisierte Backups, deren Rücksicherung getestet wird. Administratorrechte sollten auf ein Minimum begrenzt werden.
Ebenso wichtig ist die Sensibilisierung der Mitarbeitenden. Phishing bleibt eines der größten Einfallstore. Mitarbeitende sollten verdächtige E-Mails kritisch prüfen, keine Zugangsdaten weitergeben und bei Unsicherheit sofort Rücksprache halten. Kurze, praxisnahe Schulungen sind dabei besonders wirksam.
Auch die Auswahl von Dienstleistern verdient besondere Aufmerksamkeit. Betriebe sollten prüfen, welche Sicherheitsstandards und Zertifizierungen vorliegen, wie schnell Sicherheitsupdates bereitgestellt werden und wie transparent Notfall- und Meldeprozesse geregelt sind. Zudem sollte kritisch hinterfragt werden, welche Daten tatsächlich gespeichert werden und ob eine Reduzierung möglich ist.
Darüber hinaus ist ein klarer Notfallplan unerlässlich. Es sollte festgelegt sein, wer intern die Koordination übernimmt, welcher IT-Dienstleister kontaktiert wird, wie Systeme isoliert werden und wie die Kommunikation mit Gästen erfolgt. Ein vorbereiteter Ablaufplan reduziert Unsicherheit und verhindert Fehlentscheidungen im Ernstfall.
Cyberangriffe im Gastgewerbe sind längst Realität. Sie treffen internationale Konzerne ebenso wie kleine, familiengeführte Hotels oder Restaurants.
Sie entstehen über eigene Systeme ebenso wie über externe Dienstleister. Die Frage ist also nicht , ob Betriebe ins Visier geraten, sondern wie gut sie darauf vorbereitet sind.
Technische Basismaßnahmen, geschulte Mitarbeitende und klare Notfallstrukturen sind kein Luxus, sondern betriebliche Notwendigkeit. Sicherheit entscheidet heute mit darüber, ob ein Betrieb handlungsfähig bleibt – oder stillsteht.
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