Viele Betriebe unterschätzen das Thema, weil die reine Wasserrechnung häufig überschaubar erscheint. Tatsächlich lagen die durchschnittlichen verbrauchsabhängigen Kosten für Trinkwasser in Nordrhein-Westfalen zuletzt bei 1,86 Euro pro Kubikmeter und für Abwasser bei 3,21 Euro pro Kubikmeter. Zusammen ergibt das durchschnittlich 5,07 Euro je 1.000 Liter Wasser.
Wer ausschließlich auf diese Kosten schaut, übersieht jedoch die eigentliche wirtschaftliche Bedeutung des Wassersparens.
Die wichtigste Kennzahl: Wasserverbrauch pro Gast
Für Hotels empfiehlt sich eine einfache Kennzahl: Wasserverbrauch pro Gast beziehungsweise Gastnacht
Sie ermöglicht belastbare Vergleiche unabhängig von Saison, Auslastung oder Zimmerzahl. Als guter Orientierungswert gelten etwa 120 Liter Wasser pro Gast und Tag.
Ein Hotel mit 12.000 Gastnächten verbraucht bei diesem Wert jährlich rund 1,44 Millionen Liter Wasser. Bereits eine Reduzierung um nur 10 Liter pro Gast senkt den Jahresverbrauch um 120.000 Liter. Das entspricht 120 Kubikmetern Wasser. Allein bei den Wasser- und Abwasserkosten ergibt sich dadurch bereits eine spürbare Entlastung.
Der eigentliche Nutzen geht jedoch deutlich darüber hinaus.
Wasser sparen bedeutet zugleich Energie sparen
Ein erheblicher Teil des Wasserverbrauchs in Hotels entsteht durch Duschen, Toilettenspülung, Zimmerreinigung und Wäscherei. Ein großer Teil dieses Wassers wird erhitzt.
Jeder Liter Warmwasser, der nicht verbraucht wird, reduziert daher gleichzeitig:
- Wasserkosten
- Abwasserkosten
- Energiekosten
- CO₂-Emissionen
- Belastungen für die technische Infrastruktur
Wer beispielsweise wassersparende Duschköpfe oder Durchflussbegrenzer einsetzt, spart also nicht nur Wasser, sondern senkt gleichzeitig den Energiebedarf für die Warmwasserbereitung.
Das größte Potenzial steckt häufig in der Wäsche
Viele Hotels wechseln Handtücher und Bettwäsche inzwischen bedarfsgerecht statt automatisch täglich. Das spart nicht nur Wasser.
Weniger Wäsche bedeutet zugleich:
- weniger Waschmittel
- weniger Strom
- weniger Transportaufwand
- geringere Kosten für externe Wäschereien
- weniger Arbeitszeit
- längere Lebensdauer von Textilien
Die wirtschaftlichen Effekte übersteigen häufig die eigentliche Wasserersparnis. Gleichzeitig wird eine Maßnahme umgesetzt, die von Gästen zunehmend akzeptiert und unterstützt wird.
Die schnellsten Sofortmaßnahmen
Wer kurzfristig handeln möchte, sollte zunächst die Gästezimmer in den Blick nehmen.
Besonders wirksam sind:
- Kontrolle von tropfenden Wasserhähnen und undichten WC-Spülungen
- Einsatz wassersparender Duschköpfe
- Nachrüstung von Perlatoren und Durchflussbegrenzern
- Einbau von Spartasten oder Wasserstopp-Systemen an Toilettenspülungen
- bedarfsgerechter Handtuch- und Bettwäschewechsel
- regelmäßige Kontrolle von Wasserzählern
- Sensibilisierung von Mitarbeitenden und Gästen
Viele dieser Maßnahmen lassen sich innerhalb weniger Tage umsetzen und verursachen nur geringe Kosten.
Gäste aktiv einbinden
Wassersparen funktioniert besonders gut, wenn Gäste als Partner betrachtet werden.
Ein einfacher Hinweis im Zimmer kann viel bewirken:
„Gemeinsam Wasser schützen: Handtücher auf dem Boden bedeuten Wechsel. Aufgehängte Handtücher verwenden wir gerne erneut.“
Solche Hinweise schaffen Transparenz und fördern ressourcenschonendes Verhalten, ohne den Komfort einzuschränken. Moderne Nachhaltigkeitskommunikation setzt auf Motivation statt auf Verbote.
Wasser wird zunehmend zur Frage der Resilienz
Die wirtschaftliche Bedeutung des Wassers wird in Zukunft nicht allein von den Kosten bestimmt.
Trockenheit, Hitzeperioden und Nutzungskonflikte können die Verfügbarkeit von Wasser zunehmend beeinflussen. Unternehmen, die ihren Verbrauch reduzieren, sind besser auf solche Entwicklungen vorbereitet. Genau deshalb fördert das Land Nordrhein-Westfalen Maßnahmen zur Klimaanpassung und Klimaresilienz von Unternehmensstandorten.
Gespartes Wasser schafft neue Handlungsspielräume
120.000 Liter eingespartes Wasser wirken zunächst abstrakt.
In der Praxis können solche Mengen beispielsweise genutzt werden für:
- die Bewässerung von Grünanlagen
- den Erhalt von Bäumen in Trockenphasen
- Dach- und Fassadenbegrünungen
- Außenanlagen und Terrassen
- die Versorgung von Blumen- und Pflanzflächen
Je trockener die Sommer werden, desto wertvoller werden solche Reserven.
Die Bedeutung von Wasserspeichern wächst
Vor diesem Hintergrund gewinnen Regenwasserspeicher und Zisternen zunehmend an Bedeutung.
Sie ermöglichen es, Niederschlagswasser auf dem Grundstück zurückzuhalten und später gezielt zu nutzen. Gleichzeitig verbessern sie den Umgang mit Starkregenereignissen und entlasten die Kanalisation.
Für Hotels mit Außenanlagen, Gärten oder größeren Grundstücken können solche Investitionen langfristig erhebliche Vorteile bringen.
Das Förderprogramm „Klimaanpassung.Unternehmen.NRW“ unterstützt unter anderem Maßnahmen zur Regenwasserrückhaltung, Regenwasserspeicherung, Regenwassernutzung, Flächenentsiegelung, Dach- und Fassadenbegrünung sowie weitere Investitionen zur Anpassung an Trockenheit, Hitze und Starkregen.
- Förderung von KlimaGebäude.NRW innerhalb von KlimaQuartier.NRW | Bezirksregierung Arnsberg
- Förderprogramme - Netzwerk Klimaanpassung & Unternehmen.NRW
Vom Wassersparen zur Zukunftssicherung
Wassersparen ist heute weit mehr als ein Beitrag zum Umweltschutz. Es reduziert Energie- und Wäschereikosten, stärkt die Widerstandsfähigkeit des Betriebs gegenüber Trockenperioden und schafft Spielräume für die Nutzung wertvoller Wasserreserven.
Der erste Schritt ist dabei erstaunlich einfach: Messen Sie Ihren Wasserverbrauch pro Gast.
Bereits einfache Zwischen- oder Durchflusszähler können hier wertvolle Erkenntnisse liefern. Sie sind vergleichsweise günstig in der Anschaffung und helfen dabei, Verbräuche einzelner Bereiche sichtbar zu machen.
Diese eine Kennzahl zeigt oft bereits nach wenigen Monaten, wo Potenziale liegen und welche Maßnahmen tatsächlich wirken.
Individuelle Beratung
Sie möchten wissen, wie Ihr Betrieb im Vergleich steht und welches Einsparpotenzial realistisch ist?
Im Rahmen unserer individuellen Coachings analysieren wir gemeinsam Ihren Wasserverbrauch, identifizieren die größten Stellschrauben und zeigen auf, welche organisatorischen Maßnahmen, technischen Lösungen oder Förderprogramme für Ihren Betrieb sinnvoll sein können.
Oft genügt bereits eine einzige Kennzahl, um Einsparpotenziale sichtbar zu machen, die bislang im Verborgenen lagen.
Quellen: IT.NRW zu Trink- und Abwasserentgelten 2025; DEHOGA Energiekampagne Gastgewerbe; Hotel Water Measurement Initiative (HWMI); HGV Südtirol „Tipps fürs Wassersparen im Hotel- und Gastgewerbe“.