Ob Café, Restaurant oder Hotel: Digitale Zahlungsmethoden sind im deutschen Gastgewerbe heute unverzichtbar. Gäste erwarten schnelles, kontaktloses und sicheres Bezahlen – gleichzeitig stehen Betreiber vor Fragen zu Kosten, Gebührenmodellen, gesetzlichen Anforderungen und der richtigen Anbieterwahl.
Dieser Beitrag gibt Ihnen einen klaren Überblick über die wichtigsten digitalen Zahlungsarten, ihre Vorteile, mögliche Nachteile sowie konkrete Hinweise zu Transaktionsgebühren und Fallstricken.
Gibt es eine Pflicht, Kartenzahlungen zu akzeptieren?
Derzeit besteht in Deutschland keine Pflicht, Kartenzahlungen zu akzeptieren. Sie können also weiterhin selbst entscheiden, welche Zahlungsmittel Sie anbieten.
Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD wurde jedoch festgelegt (Abschnitt „Haushalt, Finanzen und Steuern“), dass Unternehmen künftig Bargeld und mindestens eine digitale Zahlungsoption anbieten sollen. So ist es wahrscheinlich, dass eine gesetzliche Regelung eingeführt wird, die das Angebot digitaler Zahlungsmethoden verpflichtend macht – als Ergänzung zum Bargeld.
Unternehmer:innen sollten sich daher frühzeitig mit digitalen Zahlungslösungen vertraut machen und entsprechende Technik/Verträge vorbereiten, sodass sie bei einer Gesetzesänderung schnell reagieren können.
Überblick: Die wichtigsten digitalen Zahlungsmethoden
- Kredit- und Debitkarten (Visa, Mastercard, American Express, Girocard)
- Mobile Wallets: Apple Pay, Google Pay
- Online-Wallets am POS: PayPal
- Zahlungslösungen von Kassen- und Terminalanbietern (z. B. Komplettpakete aus Kasse, Terminal und Zahlungsabwicklung)
1. Kredit- und Debitkartenzahlung
- Vorteile für Gastronomiebetriebe
- Sehr hohe Akzeptanz bei in- und ausländischen Gästen
- Schnelle Abwicklung am Terminal
- Grundlage für kontaktloses Bezahlen und mobile Wallets
- Unverzichtbar für Hotels, größere Rechnungen und Gruppen
Typische Kosten
Die Gebühren setzen sich aus mehreren Bestandteilen zusammen:
- Prozentuale Transaktionsgebühr
- Teilweise feste Gebühr pro Zahlung
- Unterschiedliche Sätze für:
- Debitkarte vs. Kreditkarte
- Inländische vs. ausländische Karten
Wichtig: Der endgültige Preis hängt stark vom Zahlungsanbieter ab, nicht von der Karte selbst.
Mögliche Nachteile
- Rückbuchungen (Chargebacks) verursachen Aufwand und Kosten
- Vertragsbindung bei manchen Anbietern
- Unterschiedliche Gebühren je Kartenart erschweren die Kalkulation
2. Apple Pay / Google Pay
Vorteile
- Sehr schnelle, kontaktlose Zahlung per Smartphone oder Smartwatch
- Hohe Beliebtheit bei jüngeren und zahlungskräftigen Gästen
- Keine Übergabe von Karte oder Bargeld
Gebühren – das sollten Sie wissen
- Apple Pay und Google Pay verursachen keine zusätzlichen Gebühren für Händler
- Die Zahlung wird wie eine normale Kartenzahlung abgerechnet
- Es gelten die gleichen Gebühren wie bei der hinterlegten Kredit- oder Debitkarte
Worauf sollten Sie achten?
- Ihr Kartenterminal muss NFC-fähig sein
- Apple Pay und Google Pay sind nicht günstiger als klassische Kartenzahlungen – aber komfortabler für Gäste
3. PayPal
Vorteile
- Sehr hoher Bekanntheitsgrad
- Vertrauen bei Gästen
- Einsatz im stationären Geschäft, per QR-Code oder Terminal möglich
- Gut kombinierbar mit Online-Shops, Online-Reservierungen oder Vorauszahlungen
Gebührenstruktur
- Höher als klassische Kartenzahlungen
- Prozentuale Gebühr plus fixer Betrag pro Transaktion
- Keine Interchange-Aufteilung – alles in einer Händlergebühr
Mögliche Nachteile
- Kontosperrungen bei ungewöhnlichen Umsatzmustern möglich
- Rückerstattungen und Konfliktfälle laufen über PayPal
- Für sehr umsatzstarke Betriebe oft teurer als klassische Kartenverträge
Zahlungsangebote von Kassen- und Terminalanbietern
Viele Kassenanbieter bieten eigene Zahlungsplattformen an – inklusive Terminal, Abrechnung und Support.
Das ist bequem, aber:
- Gebühren variieren stark
- Pauschale Prozentgebühren
- Monatliche Grundgebühren
- Lockangebote in Verbindung mit Kassenterminal
- Teilweise stark überhöhteTransaktionsgebühren
Wichtig: Ein integriertes Kassensystem ist nicht automatisch günstiger.
Ein separater Zahlungsanbieter kann sich bei höherem Umsatz lohnen.
Gesetzliche Anforderungen
KassenSichV & TSE
- Elektronische Kassensysteme müssen eine zertifizierte technische Sicherheitseinrichtung (TSE) nutzen
- Auch Kartenzahlungen müssen korrekt im Kassensystem erfasst werden
- Fehlende oder falsche TSE kann zu Bußgeldern führen
Weitere Anforderungen
- Alle Belege müssen vollständig und korrekt ausgegeben werden
- Digitale Zahlungen müssen GoBD-konform dokumentiert sein
- Datenschutz (DSGVO) beachten – keine sensiblen Zahlungsdaten speichern
Typische Fehler im Alltag
- Nur auf den Prozentsatz schauen, nicht auf Gesamtkosten
- Vertragslaufzeiten übersehen
- Unterschiedliche Gebühren für Debit-, Kredit- und Firmenkarten nicht einkalkuliert
- Trinkgeldfunktion nicht geprüft
- Keine Notfalllösung bei Internet- oder Terminalausfall
Checkliste: Darauf sollten Sie achten
- Gesamtkosten pro Monat berechnen (nicht nur Transaktionsgebühr)
- Unterschiedliche Kartenarten vergleichen
- Trinkgeld- und Split-Funktionen testen
- TSE- und Kassenschnittstelle prüfen
- Auszahlungshäufigkeit (täglich / wöchentlich) klären
- Kündigungsfristen prüfen
- Support-Erreichbarkeit hinterfragen
Digitale Zahlungen sind im Gastgewerbe mittlerweile kein Extra mehr, sondern Standard.
Die beste Lösung ist meist eine Kombination aus klassischer Kartenzahlung und Apple Pay / Google Pay.
Wer Angebote vergleicht und sein eigenes Umsatzprofil kennt, kann mehrere Tausend Euro pro Jahr an Gebühren sparen.
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Ansprechpartner: Robert Krause, Transformationscoach